Kulturausschuss

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Aufarbeitung von städtischen Archivbeständen aus nationalsozialistischer Zeit

Antrag zur nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 05.06.2012
Aufarbeitung von städtischen Archivbeständen aus nationalsozialistischer Zeit

 

Antrag-Nr. 109/12
21.05.2012 / cw

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,


wir bitten Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzungen des Kulturaus-schusses am 05.06.2012 zu setzen:


Beschlussvorschlag:
Der Kultur- und Sportbetrieb wird gebeten, in einer Gesprächsrunde mit interessierten Auto-ren und Bürgern, Vereinen und möglichen Sponsoren eine Initiative zur Aufarbeitung bisher nicht oder nicht hinreichend ausgewerteter Bestände des städtischen Archivgutes aus natio-nalsozialistischer Zeit zu starten.


Begründung:
Mit der "Historischen Schriftenreihe der Stadt Dormagen" werden seit 1985 in unregelmäßi-gen Abständen historische Beiträge im Auftrage der Stadt Dormagen publiziert. Engagierte Autoren haben Daten, Ereignisse und Erlebnisse in insgesamt 22 Büchern veröffentlicht. So sind – darauf sei hier beispielhaft verwiesen - u.a. Schulchroniken ausgewertet und die Ent-stehung und Entwicklung des Schulwesens in fast allen Stadtteilen der heutigen Stadt Dorma-gen dokumentiert worden. Auch der Schulalltag im Nationalsozialismus (u. a. Band 4 und 6 der Historischen Schriftenreihe der Stadt Dormagen) hat eine – allerdings nicht alle wichtigen Sachverhalte erfassende - Würdigung erfahren. Die bisher beschriebene Veränderung und Gleichschaltung der Lehrerschaft nach der "Machtergreifung" suggeriert, dass alle Lehrer und Lehrerinnen nach dieser Gleichschaltung das nationalsozialistische Gedankengut vertreten hätten.

 

Dies trifft jedoch nicht zu! Beim Studium der im Archiv des Rhein-Kreises Neuss registrierten Personalakten ist festzustellen, dass sich auch in Dormagen engagierte Lehrkräfte dem Führerprinzip und nationalsozialistischem Gedankengut verweigert haben. Dafür sind sie "im Namen des Führers in den einstweiligen Ruhestand versetzt“ worden. Sie hatten ihre Dienstwohnungen sofort zu räumen und weitere Repressalien zu ertragen.


Ähnlich wird es anderen standhaften Bediensteten öffentlich-rechtlicher Dienstherren, etwa Beschäftigten bei Städten und Gemeinden oder dem Kreis, gegangen sein. Von besonderem Interesse dürfte auch das öffentlich wahrgenommene oder bekannt gewordene Verhalten von solchen Personen sein, die in früheren Gesellschaften als „Honoratioren“ (Apotheker, Ärzte, Priester u. a. m.) galten.


Wir sind der Ansicht, dass derartige Sachverhalte weiter aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht werden müssen. Dazu bedarf es einer gebündelten Startinitiative, die nur vom Kultur- und Sportbetrieb ausgehen kann.


Mit freundlichen Grüßen


Wiljo Wimmer              Karl Kress              Reinhard Hauschild
Fraktionsvorsitzender    Mitglied des           Ratsmitglied
Kulturausschusses